BUCHEUPHORISIERT - VON KOPF BIS FUß

Aktualisiert: 14. Okt.

Neulich als ich mit meiner Freundin sprach, sagte ich zu ihr: "Ich bin ganz bucheuphorisiert!" Und je länger ich darüber nachdenke, umso mehr fällt mir auf, dass ich eigentlich schon immer bucheuphorisiert war. Als Kind lauschte ich den vorgelesenen Geschichten meiner Mama, den erzählten Seemannsgeschichten meines Papas, den Vergangenheitsgeschichten meiner Großeltern, Tante und Onkel sowie Märchenerzählungen meiner Oma. Während ich Hörspiele rauf und runter hörte, nahm ich Bücher während meiner späten Kindheit und Jugend eher selten in die Hand. Heute weiß ich warum: Ich war einfach schon immer ungeduldig und wenn mir die Dinge nicht schnell genug von der Hand gingen, so suchte ich einen anderen Weg, um die Dinge anzugehen. So war es wohl auch mit dem Lesen. Ich las und las und fühlte mich doch, wie eine Schnecke. Ich kam einfach nicht weg vom Fleck. Nicht wirklich voran. Die Wörter zogen sich, trotz toller Geschichten, wie Kaugummi. Also hörte ich die Geschichten als Hörbücher oder Hörspiele oder überredete meine Mama mir vorzulesen, was sie auch noch lange tat als ich bereits selbst lesen konnte. Dass hinter Hörbüchern und -spielen gleichermaßen Autoren stecken, die durch ihre Worte eine Welt erschaffen, in der man sich hörend verlieren kann, das war mir als Kind noch nicht klar. Heute bedauere ich sehr, dass ich nicht doch mehr gelesen habe und hoffe sehr, dass meine eigenen Kinder neben dem Genuss des Vorlesens und Hörbücherhörens, eines Tages auch als Kind viel und gerne lesen. Einfach aus dem Grund, dass ich so gerne Bücher in den Händen halte und es als Besonders empfinde, sich Zeit zu nehmen, um einfach zu lesen ohne nebenbei etwas anderes zu tun.
Als junge Erwachsene nahm ich zunehmend häufiger Bücher in die Hand und las sie zu Ende. Immer noch langsam. Während Freundinnen dieselben Bücher innerhalb kürzester Zeit verschlangen, brauchte ich Monate, um ein Buch zu beenden.
Aber ich wurde geduldiger und euphorisierter...

Im Deutsch Leistungskurs lernte ich Goethe, Schiller & Co kennen und las Klassiker um Klassiker, Buch um Buch. Ich besuchte immer häufiger die Buchhandlung und war jedes Mal (bis heute) aufs Neue fasziniert von dieser Vielfalt und Menge an Büchern. Hinter jedem Buch steckt ein Autor/ eine Autorin. Manche Bücher umfassen eigene Welten, in die wir LeserInnen abtauchen. Den Alltag vergessen. Uns ablenken. Genießen. Wort für Wort.
Mich faszinierte es schon immer, dass es Menschen gibt, die andere mit ihren Worten fesseln, sie nicht mehr loslassen, sie zum Nachdenken anregen, sie ablenken, sie inspirieren, sie amüsieren, sie trösten und so Vieles mehr.
Über jedes Buch, dass ich in den Händen halte, muss ich einmal streichen, muss es einmal riechen und durchblättern und dann erst fange ich an, die Geschichte zu lesen. Bucheuphorisiert und fasziniert davon, dass jemand das Handwerkszeug besitzt, uns LeserInnen in seinen Bann zu ziehen.
Dass ich eines Tages auch mal mit meinen Worten Welten erschaffe, tröste, begeistere, inspiriere, ablenke usw., dass ich eine Autorin bin und Kindern Lust aufs Lesen bereite, das hätte ich als Kind niemals gedacht. Ich fühle mich geehrt, dass meine Bücher gerne lesen werden, dass ich andere bucheuphorisiere und dass ich mich mit in die Reihe dieser vielen vielen Geschichtenschreiber reihen kann. Und eines verrate ich euch: Ich lese noch immer recht langsam, aber es stört mich nicht mehr. Irgendwann werde auch ich fertig mit einem Buch und lese es aus, ganz in meinem Tempo.
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